50 Jahre Welthungerhilfe – Festakt im Berliner Ensemble

Am vergangenen Freitagabend hat die Welthungerhilfe anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens zu einem Festakt in das Berliner Ensemble geladen, an welchem ich dankenswerter Weise teilnehmen durfte. Als Schirmherr der NGO begrüßte u.a. der Bundespräsident Joachim Gauck die Gäste. Neben ihm kamen auch die Minister Niebel und Schäuble, letzterer als Begleitung seiner Frau Ingeborg, welche 12 Jahre, bis 2008 als Vorstandsvorsitzende der Welthungerhilfe engagiert war.

Das Berliner Ensemble eröffnete die Veranstaltung mit einem Auszug aus Berthold Brechts “ Die heilige Johanna der Schlachthöfe“, welcher passender nicht sein konnte – der Schaukelmonolog:

Ich sehe dies System. Da sitzen welche, Wenige, oben und viele unten.
Und die oben schreien hinunter: Kommt herauf, damit wir alle oben sind!
Aber was wie ein Weg aussieht, ist doch kein Weg, sondern ein Brett.
Und jetzt siehst Du’s ganz deutlich, es ist ein Schaukelbrett.
Dieses ganze System ist eine Schaukel mit zwei Enden, die voneinander abhängen.
Und die oben sitzen oben nur, weil jene unten sitzen und solange jene unten sitzen.
Und sie säßen nicht mehr oben, wenn jene heraufkämen, so dass Sie wollen müssen,
Diese säßen unten in Ewigkeit und kämen nicht herauf.
Auch müssen’s unten mehr als oben sein, sonst hält die Schaukel nicht.
Es ist nämlich eine Schaukel.

In der hierauf folgenden Ansprache des Bundespräsidenten, greift Gauck den Ausblick der Vorsitzenden der Welthungerhilfe, Frau Bärbel Dieckmann auf, die betonte, dass sie und ihre Mitarbeiter daran arbeiten würden, sich in den nächsten 5ß Jahren selbst abzuschaffen, was bedeuten würde, den Hunger in der Welt gemeinsam mit den internationalen Partnern besiegt zu haben. 50% der weltweiten Getreideproduktion wird für die Fütterung in der Viehzucht verwandt, so der Bundespräsident. Würden in den entwickelten Ländern nur 3% weniger Fleisch verzehrt werden, könnte das hierdurch in der Viehzucht eingesparte Getreide ca. 1 Mrd. Menschen vom Hunger befreien.

Knallharte Erkenntnis – denn bei ein bis zwei Mahlzeiten im Monat auf Fleisch zu verzichten, wäre keine wirklich große Herausforderung, oder?

Weitere Gäste aus Politik, internationalen NGO sowie Künstler sind in kleinen Diskussionsrunden aufgetreten. So auch der international bekannte Autor Henning Mankell, der selbst eine lange Zeit in Afrika gelebt und erfahren hat, was es bedeutet, wenn Menschen Hunger leiden. Charmant äußerte er im Forum:

Wenn man die Welt verbessern möchte, muss man einfach nur mehr Frauen Macht geben!

Insgesamt war die gut zweistündige Veranstaltung eine sehr interessante und inspirierende Erfahrung, in der vor allem Tatsachenerlebnisse Betroffener bzw. Engagierter einen Einblick in die wertvolle Arbeit der Welthungerhilfe ermöglichten. Die Veranstaltung wurde durch ein feierliches Gettogether abgerundet, in der ausreichend Gelegenheit bestand, die Mitarbeiter und prominenten Gäste persönlich zu treffen bzw. zu sprechen. Mich persönlich hat lediglich der Auftritt von Bundesminister Dirk Niebel irritiert, der zwischen den vielen aufrichtigen und engagierten Menschen irgendwie wie ein Fremdkörper wirkte und sich in einem der Foren von einem jungen Musiker die bekannten Vorwürfe bzgl. der Teppichaffaire, als ein exemplarisches Beispiel für die Politikverdrossenheit sowie fehlendes persönliches Engagement z.B. für NGO der Jugend, gefallen lassen musste.

Vielen Dank für die Einladung, Marc Groß.

Wer weitere Informationen über die Welthungerhilfe benötigt bzw. die NGO durch Spenden unterstützen möchte, kann das HIER direkt tun.


Trackback von deiner Website.